Lady Jane ermittelt wieder …

Lady Jane und die Schwarze Orchidee
März 2016 bei amazon

Das Histo Journal schreibt:
»Die schwarze Orchidee« überzeugt von der ersten Seite an. Lebensechte Figuren, die den Leser direkt ins viktorianische England und zeitweise sogar mit in die Tropen nehmen. Und immer wieder auf falsche Fährten locken. Auch im zweiten Band der Krimi Reihe liefert Annis Bell anspruchsvolles und amüsantes Lesevergnügen zugleich. Lady Jane avanciert langsam, aber sicher zur Lieblingsheldin der viktorianischen Detektivszene.“

Amazon Publishing
29.März 2016, 370 Seiten
ISBN-10: 1503935736
ISBN-13: 978-1503935730

„Der Sog des Verbrechens zieht den Leser mit aller Kraft ins Geschehen. Zwischen den Seiten gluckert der stinkende Morast der Themse, wer nicht aufpasst versinkt darin“ Heidi LB

Annis Bell im Interview mit dem Histo Journal:

Der neue Titel lautet »Lady Jane und die schwarze Orchidee« und die englische Übersetzung ist als »Lady Jane and The Black Orchid« für den Oktober 2016 angekündigt.

Histo Journal: Welchen Fall muss Lady Jane dieses Mal lösen?
AB: Ein totes Dienstmädchen, ein exzentrischer Orchideenzüchter und ein abgelegenes Herrenhaus im einsamen Norden Englands fordern Lady Jane diesmal heraus. Jane soll der Cousine ihrer Freundin Lady Alison in Winton Park, in Northumbria helfen. Charlotte, Lady Alisons Cousine, ist mit dem schwierigen Sir Fredrick Halston verheiratet und lebt abgeschieden in einem düsteren Herrenhaus. Die Dienstboten scheinen der verstorbenen Herrin von Winton Park nachzutrauern, Charlotte gebärdet sich merkwürdig und der Hausherr interessiert sich nur für seine Orchideenzucht. Er beschäftigt einen Orchideenjäger, der ihm die sagenhafte schwarze Orchidee aus Kolumbien beschaffen soll.
Captain Wescott, der in London geblieben ist, findet heraus, dass Orchideenzüchter alles andere als harmlos sind. Als dann auch noch ein Gärtner, der kurz zuvor in Indien war, in einer der berühmtesten Orchideengärtnereien Londons ermordet wird, hat David Wescott alle Hände voll zu tun, seiner Frau bei der Aufklärung der Todesfälle zu helfen. Und es scheint um viel mehr als die seltene schwarze Orchidee zu gehen …

Histo Journal: Das klingt ziemlich spannend. Gibt es denn ein Wiedersehen mit dem ›alten Personal‹?

AB: Aber ja! Hettie ist wieder dabei, genau wie Alison und Thomas und natürlich Captain David Wescott mit seinem Assistenten Blount. Wescott erhält diesmal eigene Kapitel, denn er agiert unabhängig von Jane in London und muss sich mit zwielichtigen Gestalten bei Hundekämpfen im verrufenen St. Giles herumschlagen.

Histo Journal: Warum eine schwarze Orchidee? Haben Orchideen eine besondere Bedeutung in der viktorianischen Ära?

AB: Das viktorianische Zeitalter ist voller kurioser Besonderheiten! Mich haben schon immer die wundervollen Gewächshäuser fasziniert, die damals in Mode kamen. Vor einigen Jahren war ich einmal in Kew, wie die Royal Botanic Gardens in London allgemein heißen. Da gerate ich sofort ins Schwärmen! Bereits um 1840 gab es dort u.a. ein Herbarium und das Tropenhaus {Palm House}, heute noch das älteste existierende viktorianische Gewächshaus. Zwischen 1859 und 1863 entstand das Temperate House, in dem Pflanzen gemäßigter Klimazonen aus aller Welt gezogen wurden. Eine Begeisterung für die Zucht tropischer Pflanzen erfasste {nicht nur} die Engländer, was auch mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Ostindienkompanie zusammenhing.
In England und Europa entstanden zu dieser Zeit zahlreiche botanische Gärten und riesige Handelsgärtnereien, was wiederum auf die schnelleren Schiffe zurückzuführen ist. Denn nun war es möglich, die tropischen Pflanzen in kürzerer Zeit relativ unbeschadet nach Hause zu schaffen.

Histo Journal: Die Orchidee gehört wohl zu den seltsamsten, faszinierendsten und einschüchterndsten Blumen. Sie scheint ihren Betrachter anzustarren und auszulachen und hat etwas ungleich erotisches. Nicht umsonst hat sie ihren Namen aus dem Griechischen – orkhis für testicle. Ihre Blüte wird mit Lippe und Mund beschrieben.
AB: Von der sagenhaften schwarzen Orchidee spricht schon Konfuzius und nennt sie die Königin der Duftpflanzen. Reiche von der Leidenschaft für Orchideen besessene Sammler schicken ab 1840 vermehrt die berüchtigten Orchideenjäger in alle Welt, um die schönsten und seltensten Exemplare in den Wäldern Süd- und Mittelamerikas und Ostasiens zu finden. Ein regelrechter Wettstreit um die seltensten Exemplare beginnt, die in Ausstellungen mit Preisen geehrt werden. Auf Auktionen erzielen einzelne Orchideen bis zu 12000 Goldmark. Diese Abenteurer wagen sich in die unerschlossenen Urwälder, durch Sümpfe, trotzen Giftschlangen, feindseligen Einheimischen, Krankheiten und Naturkatastrophen. Es sind diese ruchlosen Glücksritter, die für Geld ganze Orchideenpopulationen ausrotten, weil sie einfach die Bäume fällen, auf denen sich die begehrten Pflanzen befinden.
In Kew erfuhr ich erstmals von diesem Phänomen der Orchideenobsession im 19. Jahrhundert, denn die Skizzenbücher des wohl berühmtesten Orchideenzüchters, John Day, befinden sich dort.

Histo Journal: Gibt es Literatur zu diesem Thema, die dich besonders beeinflusst hat?

AB: Am meisten hat mich das Skizzenbuch von John Day beeinflusst, das gebunden bei Thames&Hudson erschienen ist: A Very Victorian Passion – The Orchid Paintings of John Day, from The Royal Botanic Gardens, Kew.
Das Buch gibt einen umfassenden Einblick in das Leben und die Arbeit des Weinhändlers John Day {1824 – 1888}, der seine Orchideen in detaillierten Aquarellen und Zeichnungen festhielt. Day wurde zu einem anerkannten Experten und entwickelte Bewässerungs- und Zuchtmethoden. Seine Gewächshäuser wurden zu Vorzeigebeispielen und im berühmten Gardener’s Chronicle gelobt. Als sein größter Verdienst sind aber seine Darstellungen der Orchideen zu sehen, die nicht nur sehr schön, sondern auch von wissenschaftlichem Wert sind und bis heute von Botanikern zu Rate gezogen werden.

Wir sind gespannt auf Lady Janes neuen Fall. Bis dahin heißt es: The Girl at Rosewood Hall lesen oder hören. Vielen Dank für das Interview, Annis!

Auszug – das gesamte Interview HIER